Anni vom Rumbecker HolzWas ist ein Kromfohrländer?

"Das ist aber ein lieber Mischling." Diesen Satz kriege ich oft zu hören. Es liegt daran, dass die meisten Leute keine Ahnung haben, dass ein Kromi ein Rassehund ist - und noch dazu ein ganz besonderer.

Für die Freunde dieser Rasse ist der Kromi einfach wunderbar, ein idealer Familienhund. Seine Familie, besonders eine Bezugsperson der Familie, bedeuten ihm einfach alles. Seiner Familie weicht er nicht von der Seite. Er hat kaum Jagdtrieb, läuft im Wald beim Spaziergang höchstens einmal aus Neugier ein paar Meter einem Hasen hinterher und kommt dann sofort zurück. Er will ja nicht zu weit weg sein von seinen Leuten. Und, man mag es kaum glauben: Ein Kromi riecht nicht einmal so stark nach Hund!

Fremden gegenüber ist er zumindest anfangs meist sehr misstrauisch. Der Kromi ist in der Regel kein Partylöwe, der jeden gleich in sein Herz schließt.
So: Das war die Theorie! In der Praxis sieht es so aus, dass zumindest für mich einige typischen Kromi-Eigenschaften gar nicht zutreffen. Ich habe nämlich einen Narren an Menschen gefressen. Sind irgendwo Leute zu sehen, wich ich als Welpe meinen Leuten zu ihrem Missfallen sehr wohl von der Seite, düste los und war kaum mehr zu bremsen. Erst jetzt, als doch schon erwachsene Hundedame, habe ich mir das wieder abgewöhnt. Besonders freundlich bin ich aber immer noch. Ich grinse sogar noch meine Tierärztin an, wenn sie mir eine Spritze reinhaut. Dieses völlig kromiuntypische Verhalten soll ich von meiner Oma Venja geerbt haben, die angeblich auch jeden Fremden überfreudig begrüßt.

Der Kromfohrländer entwickelt oft ein ausgesprochenes Territorialverhalten. Das lässt ihn gerne zu einem "Kläffer" werden, wenn man nicht aufpasst und rechtzeitig gegensteuert.
Außerdem sind Kromfohrländer äußerst schlau. Das ist einerseits gut, doch wenn man nicht die "Hosen anhat", wird ein Kromi schnell das Kommando übernehmen. Einer muss ja der Boss sein. Konsequenz ist deshalb das A und O der Kromi-Erziehung.

Und natürlich kommt es auch vor, dass manche Kromis zu faul sind, ihre Rassebeschreibung durchzulesen. Dann sind sie halt nicht so, wie sie eigentlich zu sein hätten.

Kromis kommen leider nicht häufig vor. Nur 26 Würfe gab es im Jahr 2010 (Stand 26. November 2010), 19 rau und sieben glatt. 172 Welpen erblickten 2010 das Licht der Welt. Davon wurden 159 ins Zuchtbuch eingetragen.
Der Kromfohrländer ist zwar gottseidank kein gefragter Modehund, dennoch übersteigt die Zahl der Interessenten die geringe Welpenanzahl bei weitem. Dementsprechend kann es etwas dauern, bis man einen Kromi endlich bekommt. Aber wer die Voraussetzungen zur Hundehaltung erfüllt, viel herumtelefoniert und in Deutschland herumfährt, kommt auch zu seinem Kromi.
Kontakt zu den Hobbyzüchtern (Profi-Zwinger im Hinterhof gibt's nicht) bekommt man, indem man den aktuellen, offiziellen Züchternachweis mit den Namen der Züchter anfordert, die einen Wurf planen. Den Züchternachweis erhält man, wenn man einen frankierten Rückumschlag an folgende Adresse sendet:
Petra Henning
Herbigstr. 19 a
80999 München
Auf eigene Faust auf Kromi-Suche zu gehen, etwa durch das Internet, wird in der Regel nicht so gerne gesehen.

Neben dem einzig offiziellen Züchternachweis kann man sich auch über Erscheinungsbild und Rassestandard des Kromfohrländers am besten beim Rassezuchtverein der Kromfohrländer kundig machen. Folgend nur ein kurzer Auszug:

Laut FCI-Klassifikation gehört der Kromfohrländer zur Gruppe 9, den Gesellschafts- und Begleithunden. Er zählt zu den mittelgroßen Hunden, erreicht eine Schulterhöhe von 38 bis 46 Zentimeter und ein Gewicht von etwa 9 bis 14 Kilogramm (Hünding), beziehungsweise 11 bis 16 Kilogramm (Rüde).
Es gibt zwei Haarvariationen: Rau- und Glatthaar. Und bei jeder dieser beiden Varianten gibt es wiederum die Haarlänge kurz, mittel oder lang. Das ergibt schon mal sechs verschieden aussehende Hunde.
Die Grundfarbe ist weiß. Hellbraune, rotbraune bis stark dunkelbraune Abzeichen in Form von verschiedenen großen Flecken geben ihm sein charakteristisches Aussehen. Schwarz kommt auch vor, gilt aber als Fehlfarbe. Die Maske, also die Blässe im Gesicht, sollte weitgehend symmetrisch sein.
Bei der Geburt unterscheidet man zwischen "Hellgeborenen" und "Dunkelgeborenen", wobei das Braun stark variieren kann. Hellgeborene werden später aber dunkler, Dunkelgeborene heller. Somit gleichen sie sich wieder an. Die Hellgeboren haben jedoch zeitlebens eine hellere Nase, bei bestimmter Sonneneinstrahlung fast erdbeerrot. Bei meinen Geschwistern waren Adam und Anuk Hellgeborene.

Wenn Züchter über einen Wurf reden, hört man oft die Bemerkung "ja, der Kromfohrländer ist eine Wundertüte. Da weiß man nie was rauskommt."
Das klingt fast nach einem liebenswürdigen Wesenszug. Wir halten die Tatsache, dass ein Kromi oft völlig anders aussieht wie ein anderer, eher für eine der weniger wünschenswerten Eigenschaften der Kromfohrländer. Denn wer sich für eine Rasse entscheidet, hat sich ja nicht nur für ein bestimmtes Wesen, sondern auch für ein bestimmtes Aussehen entschieden. Dass die Würfe teilweise leider noch nicht so homogen sind, liegt daran, dass es die Rasse noch nicht so lange gibt und es auch nicht so viele Kromis.